HHK: Man hört ab und an von Leuten: „BoFlower nimmt in einem dickem Studio auf“, wie ist die Realität?
BoFlower: Deswegen ist es auch gut, dass du hier bist. Du bist ja auch einer der wenigen Pressefutzy *BoFlower und Chris lachen* die hier waren und sich das wirklich selbst ankucken konnten, teilweise wollte ich das auch nicht unbedingt und du siehst ja selbst, es ist ein PC, ein kleines Pult, zwei Monitore, recht günstige Boxen und mehr ist das halt nicht. Hab halt alles zuhause gemacht.
HHK: In den letzten zehn Jahren hat sich vor allem die deutsche HipHop Szene extrem geändert, heute hat man in Texten viel mehr Aggressivität drinnen als Lebensinhalte. Wie empfindest du diese Veränderungen?
BoFlower: Also ich meine es ist immer schwierig, Veränderungen gibt es ja bei allem. Es verändert sich ja wirklich alles, nicht nur die Rap-Szene und ich muss ja sagen, dass ich immer, egal bei welcher Veränderung, immer so ein bisschen derjenige bin, der am altem noch hängt und es nicht aufgeben will. Also egal was das ist, ob es Handys oder Computer sind, ich brauch immer etwas bis ich mich dran gewöhnt habe irgendwie. Deswegen ist das für meinen Teil so, dass es viele Sachen die gut sind, viele Sachen die schlecht sind, also gibt es wirklich alles. Aber ich für mich sehe es auf jeden fall so, dass ich mich da nicht so drauf einlassen will. Ich will mein Ding machen, was sich natürlich auch weiterentwickelt, aber zum Beispiel die intro hat geschrieben, dass ich Raptechnisch so bisschen kling wie ´97 und ich sehe das nicht so als Kritik, weil dass ist irgendwie eine Zeit wo HipHop und die ganze Szene noch irgendwie ganz anders war und ich sehe es irgendwie als Kompliment, weil ich mich irgendwie in dieser Zeit noch sehe.
HHK: ´97 war mit der Gründung vom Eimsbush Entertainment ja auch definitiv die HipHop Hochzeit in Deutschland. Das war noch die Zeit wo alles perfekt ohne komische Ghetto-Kacke lief.
HHK: Wie schaut es denn in Deutschland aus, gibt es eine Person im HipHop-Biz der du am meisten Props gibst?
BoFlower: Also bei mir ist das eigentlich schon ziemlich beständig, dass ich halt Eißfeld großartig finde, weil ich finde die Musik super, seine Texte sind perfekt, also die Aussagen, die Reime und auch die ganzen Statements finde ich bewundernswert. Aber es gibt noch mehr Leute die ich einfach gut finde, Karibik Frank finde ich gut, Prinz Porno finde ich gut, joa.
HHK: Aggro Berlin haben gezeigt, dass man Videos in die Rotation bringen kann ohne ein Major im Nacken. Schmuf Hamburg auch kein Majorlabel *BoFlower und Chris lachen*, wie erklärst du dir diesen Trend, dass immer häufiger unanhängige Label Erfolg haben.
BoFlower: Man muss es sich ja auch vor Augen halten, denn so viele sind es ja auch nicht die Erfolg mit ihrem eigenem Label haben. Man muss es ja immer in Relation sehen, wie viele Labelgründungen es gibt und wie viele Labels davon irgendwie bestand haben und ich glaube das Aggro Berlin die absolute Ausnahme ist. Auf der anderen Seite ist es natürlich total cool, denn die Entwicklung ist ja klar. Wenn die Majorlabels keinen mehr unter Vertrag nehmen und nur die gleiche Soße raus bringen muss man halt kucken das man zu potte kommt. Die ganzen Indylabels, na nicht die ganzen, aber die meisten, gibt es halt einfach nicht mehr und deswegen ist es halt das schlauste zu sagen wie wir „okay, wir machen ein Label“ und dann kommt natürlich einiges auf einen zu, dass man nicht bedacht hat und das ist auch schwierig und deswegen gibt es auch genügend die nach einem halben Jahr wieder dicht machen oder es einfach im Sand verläuft.
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