HHK: Wie würdet ihr euch und vor allem euren Style in wenigen Worten beschreiben??
Flow Tone: Für „Keine Träne“ haben wir ziemlich viele Songs aufgenommen und herum experimentiert. Es ist nicht wirklich einfach seinen eigenen Style zu finden, wir sind überzeugt, dass wir unser eigenes Ding machen und einfach nach PF Squad und erwachsener Musik klingen.
HHK: Ihr seit ja die erste deutsch/- französischsprachige Crew. Wie kam es zu der Entscheidung so einen unüblichen Weg zu gehen und welche Ziele verfolgt ihr durch die Tatsache, dass ihr deutsch- / französischen HipHop produziert?
Jokane: Anfangs hatten wir kein wirkliches Ziel. Wir haben uns einfach auf Jams kennen gelernt und aufeinander geflasht. Dann kam eins zum anderen und wir möchten zeigen, dass es gut klingt und funktioniert Deutsch und Französisch zu mischen.
HHK: Was haltet ihr momentan von der deutschen Rap-Szene mit ihren unzähligen Beef-Geschichten und der Entwicklung die diese Szene momentan ja unübersichtlich geht? Seht ihr euch als ein Teil dieser, ich nenn es mal „neuen Gangster Rapszene“ oder wollt ihr euch davon ganz klar abtrennen?
D-Mark: Für die Öffentlichkeit und die Verkaufszahlen waren die Beef-Geschichten bestimmt wichtig. Es hat die Rapszene auf jeden Fall wieder belebt und eigentlich ist es auch cool, dass es so etwas gibt. Wir haben und wollen damit sowieso nichts zu tun haben und die Leute sehen uns auch nicht als Teil davon.
HHK: Was inspiriert euch? Habt ihr Vorbilder oder einfach nur das tägliche Geschehen auf Deutschlands Straßen?
Flow Tone: Wir lassen uns von vielen Seiten inspirieren, ob das musikalische Sachen sind oder einfach der Alltag ist. Trotzdem versuchen wir uns nicht zu orientieren, sondern etwas Eigenes zu kreieren.
Max Farah: Oft inspirieren uns auch einfach nur die Beats der Drama Monks oder wir möchten bestimmte Themen einfach nur verarbeiten.
HHK: 2003 seid ihr ja mit Cappadonna vom legendären Wu-Tang Clan durch halb Europa getourt. Wie waren eure Feelings dabei und werdet ihr in näherer Zukunft wieder eine Tour vornehmen?
Jokane: Das war 2004… Während einer Tour passiert so vieles, dass es die Crew richtig zusammenschweißt. Von den Emotionen, die man während einer Tour sammelt, kann man seinen Enkeln noch erzählen. Wir haben auf jeden Fall viel dabei gelernt und hatten auch jede Menge Spaß.
D-Mark: So eine Tour ist allerdings auch sehr anstrengend und jeden Abend eine After-Party liegt einfach nicht drin.
Max Farah: Lustiger Weise sind wir 2006 wieder mit Cappadonna unterwegs. Die Tour wird Ende Mai / Anfang Juni stattfinden. Dann sind wir in Wuppertal, Aschaffenburg, Wien, Will in der Schweiz, Berlin und München. Alle weiteren Dates findet ihr auf unserer Website.
HHK: Bleiben wir kurz bei den Tourneen. Im HHK-Forum kam die Frage auf wie ein Tour-Alltag bei euch aussieht? Geht ihr diesen eher gechillt an oder steht ihr um Punkt 8 Uhr auf der Matte?
Flow Tone: Leider lagen die Tourstops oft weit von einander entfernt, so dass wir tagsüber bereits ziemlich weit reisen mussten um einigermaßen pünktlich zum Sound-Check zu erscheinen. Deshalb mussten wir früh aufstehen um nach einem kurzen Frühstück schnell wieder auf die Autobahn zukommen.
D-Mark: Von Abfahrt bis Ankunft, pennen, Zeitvertreib im Bus und kennen lernen fast jeden Rastplatzes war nicht viel drinnen. Wir kommen also in der neuen Stadt an, machen einen Sound-Check, danach geht es in das Hotel. Dort kurz eine Stunde schlafen oder chillen, frisch machen um abends zur Location zu gehen. Dort heißt es dann ein kurzes Catering einwerfen und wenn es schlecht läuft ewig auf den Auftritt warten. Dann kommt tatsächlich irgendwann die Show. Danach gehen wir völlig kaputt von der Bühne um Backstage ein Bier zischen. Danach geht es in den Bus, danach in einem Club oder einfach nur ins Hotel. Und dann geht es wieder von vorne los!
HHK: Kommen wir zu eurem kommenden Album „Keine Träne“. Was wollt ihr mit dem Titel und dieser LP symbolisieren?
Jokane: Das Album trägt den Titel des letzten Songs. Wir weinen der Zeit, die wir bisher durch gestanden haben keine Tränen nach. Die Zeit war oft sehr anstrengend und hart und mit vielen Rückschlägen verbunden. Wir hoffen mit diesem Album diese Zeit abschließen zu können.
HHK: Was genau kann man von euch auf eurem bereits 2. Album erwarten? Macht mal ein bisschen Werbung und beschreibt mal euer „Baby“.
Max Farah: Wir haben viel Herz und Arbeit in das Album gesteckt und an jedem Track bis früh in den Morgen zusammen mit den Drama Monks gefeilt.
D-Mark: Die Themen sind vielfältig und ansprechend. Die Beats gehören zu den Besten, die es in Deutschland gibt. Man hat das Album nicht nach zwei Mal durchhören todgehört, sondern kann es immer wieder komplett durchhören und entdeckt dabei immer wieder neue Wortspiele, Aussagen und Elemente, die beim ersten Hinhören vielleicht nicht offensichtlich sind. Wer ein Pseudo-Ghetto-Album erwartet wird von uns enttäuscht.
HHK: Eure Texte sind alle samt sehr expressiv und persönlich. Wie wichtig ist diese angesprochene Persönlichkeit und Emotionalität für euch selbst und für das Schreiben von Texten an sich?
Flow Tone: Für dieses Album war uns die persönliche und emotionale Note sehr wichtig. Wir wollen ja auch etwas aussagen und die Leute nicht zum tausendsten Mal mit Standard-Battles langweilen. Außerdem sind wir keine Scherzkekse, die beim Rappen Witzchen erzählen, sondern möchten Probleme und Situationen verarbeiten und die Leute damit ansprechen.
HHK: Wie kam es in „Kein Unterschied“ zur Zusammenarbeit mit dem türkischen MC Sahin? Hat dieses Feature eine Bedeutung für euch und wenn ja welche?
D-Mark: Sahin ist ein jahrelanger Freund, mit dem ich schon früher auf Rap geflasht habe. Wir haben CDs ausgetauscht und uns gegenseitig Texte vorgerappt. Wir wollten einen Song machen der beweißt, dass Rap Sprachen übergreifend ist. Dafür musste ich unbedingt Sahin mit ins Boot holen, da er der beste türkische Rapper ist, den wir kennen und so die Botschaft nur aussagekräftiger wird.
HHK: Warum blieb es mit Sahin beim einzigen Feature? Gibt's da bestimmte Gründe für oder hat sich einfach nicht mehr ergeben?
Max Farah: Eigentlich wollten wir ein Album komplett ohne Feature machen und es mit vier MCs auch hinbekommen, die Leute nicht zu langweilen. Wie gesagt, für „Kein Unterschied“ war das Feature mit Sahin einfach notwendig.
HHK: Mit „Aufstand“ droppt ihr eure erste Singleauskopplung dieses Albums. Warum habt ihr euch entschieden gerade diesen Track als erste Single zu veröffentlichen? Wegen der Thematik, die ihr für euch als sehr wichtig empfindet oder aus anderen Gründen?
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